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Fortsetzung: Die dänische Insel Anholt

Erst Ende des 19.Jahrhunderts begannen die Inselbewohner mit der mühsamen Wiederaufforstung der erodierten Flächen. Karger Boden, Wind und Sandflug sind die Hauptursachen für das sehr langsame Wachstum der Pflanzen. Aus den Fehlern der Vergangenheit wurde jedoch gelernt. Heute steht ein Großteil der Insel unter Naturschutz.

Die Wanderung vom Ort durch die Wüste zum zehn Kilometer östlich gelegenen Leuchtturm „Anholt Fyr“ gleicht einer Expedition in eine andere Welt und markiert zweifellos den Höhepunkt eines Anholturlaubs. Fernab alltäglicher Hektik verlieren sich die Inselgäste hier selbst im Sommer rasch aus den Augen. Das Schreien der Möwen und Austernfischer, das Rascheln der Dünengräser, das Rauschen des Meeres – plötzlich verdecken bis zu 20 Meter hohe Sandkämme den Blick in die Ferne. „Indien“ – ein Ort der Imagination, der scheinbar auch die früheren Inselbewohner bei seinem Anblick, zumindest gedanklich, in die Ferne schweifen ließ.

Östlich des Leuchtturms auf der Inselspitze liegt „Totten“, der ganzjährig geschützte Lebensraum einiger Hundert Seehunde. Ein gutes Fernglas sollte neben ausreichend Proviant auf dieser Exkursion auf keinen Fall fehlen. Die Neugier der Seehunde aber ist vielfach kaum geringer als die der Menschen, und so sind Seehunde auch entlang des 26 Kilometer langen Sandstrands keine Seltenheit.

Erste Spuren menschlicher Besiedlung reichen zurück bis in die Steinzeit. Zu Zeiten der Vikinger sollen Seeräuber auf der Insel Schutz gesucht haben, später unterhielt König Valdemar dort eine Jagdhütte. 1658 besiegelte ein Bierkrug den Verbleib Anholts im dänischen Königreich. Durch den Friedensschluß von Roskilde wurde Dänemark gezwungen, große Gebiete an Schweden abzutreten. Einzig durch ein Glas Bier, von einem dänischen Abgesandten „zufällig“ auf der Landkarte abgestellt, entging den Verhandelnden der kleine dänische Außenposten im Kattegat.

Ihre Vergangenheit ist den Anholtern wichtig – und bietet dem interessierten Besucher überraschende Einblicke in die Geschichte ihrer Urlaubsinsel. Der Lokalhistorische Verein Anholt hat zahlreiche Fotos, Karten, Werkzeuge, Dokumente, Haushaltgegenstände und seit 1995 das alte Rettungsboot in der ehemaligen Arztpraxis liebevoll zu einer kleinen Ausstellung arrangiert. Die präsentierten Portraits „typischer“ Anholter erzählen vom harten, oftmals entbehrungsreichen Inselleben.

Auch heute stehen die Bewohner Anholts und die der vielen anderen kleinen Inseln immer wieder vor großen Herausforderungen. Der vom dänischen Staat unterstützte Zusammenschluß „Samsluttning af Danske Små Øer“ aber war ein wichtiger Schritt in eine gemeinsame Zukunft.

Langsam senkt sich die Abenddämmerung über den Ort. Rasch noch die Kiste Bier auf dem Fahrrad festgezurrt, dann verschwinden auch die letzten Kunden des Inselladens in Richtung ihres Ferienhauses. Im Garten des Dorfcafés wird das

Abendessen serviert. Der in den Vorgärten auf Wäscheleinen zu Girlanden aufgereihte Trockenfisch zittert sanft im Wind. Ruhe breitet sich aus. Vor dem knisternden Kaminfeuer klingt der Tag friedlich aus. Plötzlich scheinen den tanzenden Flammen exotische Gestalten zu entsteigen. Phantastischer Ausklang eines unvergeßlichen Urlaubstages auf Anholt, der Insel mit der größten Wüste Nordeuropas.

www.visitdenmark.com
© Jørgen Hansen


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