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Fortsetzung: Wir sind in Kopenhagen, es ist Sommer

Wenn man Glück hat, und die Königin in der Stadt weilt, wechselt die bärenfell-bemützte Garde mit Marschmusik, aber auch ohne Täterä ist der zackige Wachwechsel sehenwert. Man ahnt, welcher Schauder den „almindeligen“ Dänen ergreift, wenn er alljährlich zu Tausenden zum Geburtstag seiner kettenrauchenden Monarchin huldigt, die sich den Gratulanten einmal sogar in ihrem Morgenmantel hoch erfreut auf dem Balkon von Amalienborg gezeigt hat. Die Kronjuwelen des Märchenschlosses Rosenborg sind vielleicht nur etwas für royalty-interessierte Leserinnen von Frauenillustrierten, doch der 200 Meter lange Wendelgang auf den Runden Turm, den schon der russische Zar Peter der Große hochgeritten sein soll, strengt kaum an, und der Blick über die Altstadt auf die Öresundbrücke entschädigt für alle Mühen.

Auch wenn es seltsam klingen mag, eine kurze Fahrt mit der neuen Metro gehört zum Sightseeing-Programm, und wenn es nur gilt, einmal mit der Rolltreppe in die kühlen unterirdischen Glaspaläste der Stationen hinabzufahren. Am Kongens Nytorv und am Christianshavn etwa ist es den Lichtdesignern gelungen, Tages- und Kunstlicht mittels Glaspyramiden auf Straßenebene und hypermodernen Parabolspiegeln computerberechnet so in die Haltestelle zu lenken, dass man meinte, in einem Konferenzsaal zu stehen, wenn sich da nicht alle anderthalb Minuten wie von Geisterhand die Seitentüren öffnen und den Weg zu führerlosen Metrozügen öffnen würden. 2007 wird die Metro bis zum Flughafen fertigestellt sein, dann kann der Passagier sogar bis zur künstlichen Copacabana, dem drei Kilometer langen Amager Strandpark fahren, oder bereits jetzt zum Einkaufszentrum Field’s in die ambitionierte Zukunftssiedlung Örestad.

Apropos Baden: Mitten in Kopenhagen kann der müde Fußgänger in den Hafen springen: Zwei öffentliche Badeanstalten bei Islands Brygge und am Fisketorvet laden seit 2003 zum erfrischenden „Dykkert“. Aber welcher Städtetourist hat schon Badezeug dabei? Also lieber die müden Beine bei einem kühlen „Oel“ an der längsten Freilufttheke Skandinaviens ausruhen. Am Nyhavnkanal stehen die Cafétische über einen halben Kilometer, und wer keinen mehr abbekommt, setzt sich einfach auf die Kaimauer. Oder man beschließt den Tag im Tivoli. Der nostalgische Lustgarten wandelt sich nur langsam, immer noch dominieren herrlich altmodische Jahrmarktsbuden, romantische Fahrgeschäfte wie der „flyvende Kuffert“, wo man in großen Koffern durch Andersens Märchen gefahren wird, oder das Pantomimentheater. „Margrethe har tegnet kostymerne“ weiß das kleine blonde Mädchen vor uns seiner Mormor zu erzählen (die Königin hat die Kostüme entworfen). Man muss nicht dänisch können in Kopenhagen, man muss nur die Augen aufhalten und träumen.

www.visitdenmark.com
© Reiner Büchtmann


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