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Reiseberichte
Fortsetzung: Die überraschendste Hauptstadt der Welt

Das Schlafzimmer des Kaplans

Das Museum Amstelkring ("Unser Herr Gott auf dem Dachboden") ist ebenfalls eine der außergewöhnlichen "Perlen" Amsterdams. Vom Keller bis zum Speicher mit seiner barocken Geheimkirche birgt dieses aus dem 17. Jahrhundert stammende Kaufmannshaus eine Vielzahl von Überraschungen. Einer seiner intimsten Orte ist das Zimmer, das früher dem Kaplan als Schlafzimmer diente. Es ist komplett eingerichtet mit Bettnische, Flickendecke und Nachttopf. Nur wenigen Gläubigen soll damals ein Blick in dieses Zimmer vergönnt gewesen sein. Heute haben es die Besucher da wesentlich leichter. Sie kommen auf dem Weg zur Speicherkirche daran vorbei. Ungewöhnlich ist vor allem das Nachtschränkchen, wo noch Brille, Pfeife und Schlafmütze des Kaplans liegen. 1887 verließ der letzte Kaplan der Kirche das Haus, doch sein Schlafzimmer blieb als lebendige Erinnerung an alle Kapläne, die mehr als zwei Jahrhunderte lang ihre Nächte in der Bettnische verbrachten, erhalten.


Sündenbock' im Klang- und Lichtspiel aus dem 19. Jahrhundert

Im Bibelmuseum befindet sich ein außergewöhnliches, aus dem Jahre 1851 stammendes Klang- und Lichtspiel, dessen Mittelpunkt die Stiftshütte, der Vorläufer des Tempels in Jerusalem, darstellt. Hier kann man erleben wie der 'Sündenbock' zu seinem Namen gekommen ist. In der Stiftshütte befindet sich die Bundeslade mit den zehn Geboten. Einmal im Jahr, am Tag der Versöhnung, besprengte der Hohepriester die Bundeslade mit dem Blut eines zu diesem Zweck geopferten, reinen Bocks. Ein zweiter Bock wurde mit den Sünden des ganzen Volkes beladen und in die Wüste geschickt. Dies war der so genannte Sündenbock. Alle halbe Stunde ist in dem Museum die 15 Minuten dauernde Vorstellung dieses Klang- und Lichtspiels zu sehen. Die ausgestellte Stiftshütte hat eine Oberfläche von zirka 12 m² und ist eine Nachbildung des Originals im Maßstab 1:12.

Übermütige Engelchen auf der Kanzel

Eins der Prunkstücke der mittelalterlichen Nieuwe Kerk ist die mehr als zehn Meter hohe Kanzel, an der der Bildhauer Albert Jansz. Vinckenbrinck von 1645-1664 arbeitete. In fast 20 Jahren entstand damit ein ungewöhnlich schönes Beispiel für die Holzschnitzerei des 17. Jahrhunderts. Die Treppe zur Kanzel bietet etwas Außergewöhnliches: Auf dem Tau entlang dem Geländer sieht man Engelchen die mit sichtbarer Freude übermütig auf dem Tau nach unten rutschen. Die von oben bis unten mit Schnitzereien geschmückte Kanzel ist eine Art biblisches Bilderbuch. Die schönsten Darstellungen sind die sechs Werke der Barmherzigkeit; ihr kulissenartiger Aufbau verleiht ihnen eine faszinierende Tiefenwirkung. Vinkenbrinck selbst ist ebenfalls auf der Kanzel zu sehen. Die Darstellung des Evangelisten Lukas gestaltete er als Selbstporträt. Schließlich war Lukas (sein Symbol ist der Ochse) der Schutzpatron der Maler und Bildhauer. Über dem gewaltigen Kanzeldach befinden sich zwei weitere Etagen mit einer durchbrochenen Krone. Hier sind allerlei Figuren aus dem 17. Jahrhundert, Männer, Frauen und Kinder zu sehen, von denen manche neugierig nach unten blicken...» weiterlesen

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